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Ex-CompuServe-Kunden aufgepasst: Drohen massive Tariferhöhungen?


Ex- CompuServe-Kunden müssen vorsichtig sein. Möglicherweise werden sich die immer noch aktiven Call-by-Call-Einwahlnummern des Providers demnächst massiv verteuern. Mit einer üblen Masche wurden schon andere Kunden über den Tisch gezogen. Der Schock bei der nächsten Telefonrechnung ist garantiert. Und das Schlimmste daran: Es ist völlig legal, Beschweren zwecklos.
CompuServe-LogoDiese Geschichte fängt in der Frühzeit des Internets an. CompuServe ist einmal ein großer Name unter den Internetprovidern gewesen. In den ersten Jahren des Internets galt er als fortschrittlicher und hochwertiger Zugang für Internetkunden. Wer etwas auf sich hielt, surfte bei CompuServe. Der Firma ging es so gut, dass sie schließlich von AOL gekauft wurde.
Das ist Geschichte, an CompuServe erinnern sich nur noch wenige, und auch AOL hat schon bessere Tage gesehen. AOL hat sich in Deutschland komplett aus dem Geschäft mit Internetzugängen verabschiedet. Nur über die kleine Tochter CompuServe gab es noch Einwahlnummern und E-Mailadressen. Aus und vorbei: Zum 31.07.2008 kündigte CompuServe den verbliebenen Kunden, weil sich das Geschäft nicht mehr rentierte.
Aber was passierte mit den Einwahlnummern, über die sich CompuServe-Kunden ins Netz gewählt haben? Das mag sich für AOL nicht gelohnt haben, aber kleinere Firmen wären vielleicht interessiert. Immerhin rund 4 Millionen Telefonminuten pro Monat wurden über diese Nummern abgewickelt. Das ist nicht sehr viel, aber immerhin. AOL hatte jetzt zwei Möglichkeiten: Die Nummern abschalten oder sie zu verkaufen. Man entschied sich für verkaufen – nur die Nummern, nicht aber die Marke CompuServe.
Es gab mehrere Interessenten für die Nummern. Schließlich gewann die Firma Envito aus Düsseldorf den Bieterwettstreit. Die tariftip-Redaktion hatte einen Verdacht und ging ihm nach. Denn Envito ist in der Branche nicht unbekannt. Auf ihrer Homepage macht die Firma einen soliden Eindruck, und das Engagement für den Deutschen Kinderschutzbund sieht gut aus. Offensichtlich gehört zu den Envito-Partnern auch der größte Club Europas, der ADAC. Grundsolide also? Es gibt Kunden, die das komplett anders sehen.
Envito kauft gerne Nummern auf. Und nicht nur das: Ihr Geschäftsführer Dr. Markus Beforth taucht auch als Liquidator der Firma SugarCom auf. Diese Firma befindet sich seit dem 23.07.2008 in der Liquidation, Beforth war auch deren ehemaliger Geschäftsführer. Um die SugarCom reihen sich einige Firmen, die alle Nummern kauften. Ein Beispiel: Die Suchmaschine Lycos bot ebenfalls Einwahlnummern ins Netz an, der Dienst nannte sich Comundo und wurde an das SugarCom-Universum und dort an die Firma Paixas (GF: Dr. Markus Beforth) verkauft. Es kam, wie es kommen musste: Von den einst günstigen oder zumindest normalen Tarifen blieb nach kurzer Zeit nichts mehr übrig. Die Preise stiegen in kurzer Zeit drastisch. Zehn Cent pro Minute sind keine Seltenheit, Mindestabnahmen von über 2 Euro ebenfalls. Unternehmen aus dem SugarCom/Paixas-Umfeld haben sogar schon Tarife von knapp 100 Cent, also fast einem Euro pro Minute, abgerechnet.
Manche User sind gutgläubig und vertrauen darauf, dass das, was letztens gut war, auch gut bleibt. Der Schock kommt dann mit der nächsten Telefonrechnung. Für Envito/Paixas könnte der Plan so aussehen: Von vier Millionen Telefonminuten springen konservativ gerechnet drei Viertel ab. Bleibt eine Million Telefonminuten. Diese bringen bei Marktpreisen um 1 Cent pro Minute etwa 10.000 Euro Umsatz. Bei 10 Cent aber schon 100.000 Euro, zu absolut gleichen Kosten für Envito. Jetzt noch ein paar Nickligkeiten wie der Mindestumsatz von 2 Euro, und schon ist die Investition schnell wieder drin!
Lesen Sie im zweiten Teil, was AOL und Envito zu unserem Verdacht sagen.
 
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