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IFA 2008: Öko stört den Lifestyle



Riesige Fernsehschirme dekorieren die weißen Wände, platzierte Sound Systeme verteilen den Klang im Raum. Der edel designte Raum des koreanischen Elektronikriesen LG steht symptomatisch für die Aussteller von Unterhaltungs- und Telekommunikationselektronik auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) 2008 in Berlin. Da ist die Rede von Bildwiederholraten bei Flachbildschirmen und von Datenübertragungstechnologien bei Handys, von Ausstattung und Design. Nur vom Stromverbrauch ist fast nirgends die Rede.

Das fällt noch stärker auf, weil auf der diesjährigen IFA erstmals auch die so genannte "Weiße Ware" um die Gunst der Schaulustigen wirbt. Dort sind Leistungsangaben Pflicht. Klimaschutz und Stromeinsparung sind gängige Werbebegriffe in der Branche. Ganz anders die Telekommunikationsbranche: Hier gilt das Motto: Kein Wort über Watt. Auch nicht bei Nokia. Dabei hat der Weltmarktführer unter den Handyherstellern gerade erst ein Öko-Handy in die Shops gebracht, das 3110 Evolve. 

Die Branche denkt eher diskret über Möglichkeiten zum Stromsparen nach. So taktet beispielsweise auch Konkurrent Sony Ericsson die Ladegeräte seiner Handys herunter, wenn der Akku voll ist. Dennoch: damit werben möchte man nicht. Energiesparen, das klingt zu sehr nach Müsli, selbstgestrickten Pullovern oder Gesundheits-Sandalen. Am Stand von Sony Ericsson bringt es ein Mitarbeiter auf den Punkt: "Öko stört den Lifestyle!"

Dabei hätten die Verbraucher allen Grund, sich etwas stärker für den Stromverbrauch des heimischen Unterhaltungsgeräteparks zu interessieren, warnt Clemens Hölter (Foto) am Stand der Aktion "No-Energy". Die Initiative, die unter anderem vom Umweltbundesamt unterstützt wird, entlarvte auf der IFA heimtückische Stromsünder.

Viele Geräte verbrauchen nämlich nicht nur Strom im Standby oder wenn sie laufen. Einige Geräte ziehen selbst dann Strom, wenn sie abgeschaltet sind. Hölter zeigt auf einen DVD-Player, der abgeschaltet in einem Jahr Strom für mehr als 25 Euro verbrauchen würde. Da hilft nur eine Steckerleiste mit Schalter. Doch da ist der Experte skeptisch.

Wenn der Besitzer jeden Tag zweimal den Kniefall vor dem Gerätepark üben muss, um die Stromzufuhr an- oder abzuschalten, dann vergeht schnell die Freude am Stromsparen. Hölter hat eine Lösung: eine Steckerleiste, die einen Trittschalter am Ende einer Leitung besitzt. Damit kann die Leiste sogar hinter einem Schrank versteckt werde, und man kann sie trotzdem ein- und ausschalten - ohne das Knie zu beugen. "Stromsparen wird sich nie durchsetzen, wenn es auf Kosten der Lebensqualität geht", sagt Hölter.

Und noch etwas steht dem Stromsparen im Weg: hohe Preise. Hersteller vermarkteten Energieeffizienz meist als einen Mehrwert, den der Kunde auch bezahlen müsse. Der Kunde aber sei nur in Umfragen bereit, für stromsparende Geräte mehr zu bezahlen. An der Kasse im Elektronikmarkt zählt dann doch in erster Linie der Preis. Das wurmt die Stromexperten, denn nicht immer ist der Aufpreis gerechtfertigt, nicht immer bedeutet Energieeffizienz auch einen höheren Aufwand bei der Herstellung eines Gerätes.

Die IFA zeigte jedoch auch Positivbeispiele. So bietet Siemens einen sparsamen Computermonitor an. Der Schirm besitzt einen eingebauten Akku. Im Betrieb wird der Akku geladen, jedoch nur bis er komplett geladen ist. Danach und auch im Standby verbraucht der TFT-Schirm kaum Strom.

No-Energy: www.no-e.de

Zum Thema:Nokia 3110 Evolve - Handytest